Vorfach.com - Angeln, Fischen, Bötchen fahren: Ein Angelfreund über Anglerfreuden

01.11.2011, 12:36 Uhr - Kategorie: Angelreisen - Kommentare: 0

Hochseeangeln in Heiligenhafen

Das Hochseeangeln zieht einen ganz bestimmten Menschenschlag an: Geduldige Frühaufsteher, die keine Herausforderung scheuen und die Weite des Meeres lieben. Was die Angelausflüge an der Ostsee betrifft, ist Heiligenhafen wohl der absolute Hotspot für die Hochseefischer. Doch obwohl sich der Küstenort bei allen Kennern größter Beliebtheit erfreut, ist die Nachfrage längst nicht mehr so groß wie früher. Die Anzahl der Kutter ist in den vergangenen Jahrzehnten auf ein Fünftel zusammengeschrumpft.

Die Nachfrage geht weiter zurück

Es gab Zeiten, da konnten alle interessierten Hobbyangler völlig umsonst auf den zahlreichen Kuttern mitfahren, weil sich die Anbieter damals allein durch den Verkauf zollfreier Waren finanzieren konnten. Diese Zeiten sind natürlich längst vorbei und das Hochseeangeln hat schon lange keinen so gefestigten Stellenwert mehr. Aufgrund der sinkenden Nachfragen sehen sich die Anbieter natürlich auch gezwungen, die Preise immer wieder anzuheben. Somit sinkt aber auch wieder die Lust der Angler, Angelausflüge an der Ostsee zu derartig gesalzenen Preisen zu buchen – ein Teufelskreis! Auch die Behörden legen den Anglern Steine in den Weg: Reichte es früher noch, wenn der Käpitän eines Kutters über einen gültigen Fischereischein verfügte, muss heute jeder Angler an Bord so einen Schein parat haben. Ersatzweise ist es auch möglich, sich einen Urlaubsangelschein im Servicebüro oder beim Hafenmeister zu kaufen. Selbiger gilt meistens für 40 Tage, auch wenn die Besucher nur ein Wochenende bleiben. Das Problem ist hier vor allem, dass die Angler ja nun meistens eher am Freitagabend für einen Wochenendtrip bis zum Sonntag kommen und am Wochenende haben die entsprechenden Behörden natürlich geschlossen und können den Schein also nicht mehr ausstellen. Gerade wenn Familienväter mit Kindern den Ausflug buchen wollen, kann dieser Umstand zu einer herben Enttäuschung führen.

Der Reiz des Hochseeangelns

Eigentlich ist das Hochseeangeln auf Großfischarten immer noch die Königsdisziplin der Hobby-Fischerei. Die Jagd auf große Schwertfische, Marline, riesige Welse oder sogar Haie birgt Nervenkitzel und unglaubliche Erfolgserlebnisse. Vor ein paar Jahren wurde erst wieder ein neuer Größenrekord aufgestellt. In Italien wurden zwei Welse gefangen, die so groß waren, dass man die ersten auftauchenden Bilder noch für Fotomontagen hielt. Derartige Größenrekorde sind aber natürlich nicht der hauptsächliche Anreiz zum Hochseeangeln. Wahre Angler wissen, dass man an einem perfekten Angel-Wochenende eigentlich gar nichts fangen muss. Der deutsche Schriftsteller Siegfried Lenz beschrieb dieses Phänomen schon in „Wasserwelten“. Nicht-Angler können das nur schwer begreifen, aber um die Beute ist nicht das primäre Ziel eines Anglers. Es geht vielmehr um die „Möglichkeit“, einen Fisch zu fangen und die Unvorhersehbarkeit eines Angel-Tages. Wer selbst schon einmal geangelt hat, weiß, wovon ich spreche.